Statement zur Situation von Junghans Feinwerktechnik

Statement von Uwe Kess, Betriebsratsvorsitzender Junghans Feinwerktechnik GmbH & Co. KG zur Pressekonferenz am 09.03.2004 im Presseclub München

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,
sehr geehrte Anwesenden,

zunächst möchte ich mich kurz vorstellen.

Uwe Kess Betriebsratsvorsitzender Junghans Feinwerktechnik
Uwe Kess Betriebsratsvorsitzender Junghans Feinwerktechnik

Mein Name ist Uwe Kess – ich bin Betriebsratsvorsitzender von einem mittelständischen Unternehmen, und zwar, der Junghans Feinwerktechnik in Schramberg im Schwarzwald. Als Unternehmenseinheit des Diehl-Konzerns sind wir Entwickler und Hersteller von Zündern und Zündsystemen für militärische Anwendungen mit über 140 Jahren Präzisions-Know-how.

Ein Punkt, der uns als Betriebsräte die letzten Jahre nicht nur sehr viel Arbeit bereitet hat, sondern auch sehr belastet hat, ist der stetige Personalabbau, der in der wehrtechnischen Industrie stattgefunden hat.

In unserem Unternehmen wurde beispielsweise seit Anfang der ’90er Jahre, 73% der Personalstärke abgebaut!

Diese erschreckende Zahl sagt aber noch nichts darüber aus, welche Schicksale von Mitarbeitern und welche Einschnitte dies zur Folge hatte. Wir als Betriebsräte trugen dabei eine große Verantwortung und mussten zusammen mit dem Unternehmen immer wieder neue Wege suchen, um diese schwierigen Zeiten des Abbaus bewältigen zu können. Einerseits waren wir gefordert, die technischen Kernfähigkeiten und Technologien des Unternehmens zu sichern, und andererseits die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter als Wissens- und Leistungsträger zu erhalten. Das erreiche ich als Betriebsrat nicht, in dem man sich zurücklehnt und dann auf irgendwelche Gesetze verlasse, sondern das ist pure Knochenarbeit.

Es wäre unvorstellbar, wenn die Bemühungen der letzten Jahre alle umsonst gewesen wären!

Ich betone dies so deutlich, da ich immer wieder registrieren muss, dass das Verständnis allgemein für Wehrtechnik in der Bevölkerung und stellenweise auch in der Politik nicht sehr groß ist und dabei vergessen wird, dass es hierbei von der Sicherheitsfrage mal ganz abgesehen, auch um Verlust von Arbeitsplätzen und Hochtechnologien im Standort Deutschland geht.

Eines können wir heute als Unternehmen der Junghans Feinwerktechnik vorweisen:
Wir, als Arbeitnehmervertreter, zusammen mit der Unternehmens-führung, haben es geschafft, durch intelligente personelle Maßnahmen, wie beispielsweise durch das Instrument der Altersteilzeit, die Fachkräfte und somit das Know-how des Unternehmens der Junghans Feinwerktechnik bis zum heutigen Tage weitgehend zu sichern. Auch die berufliche Ausbildung wurde bei uns auf einem überdurchschnittlichen Niveau trotz aller Schwierigkeiten fortgesetzt. Und somit hat man die Nachfolgesicherung und den damit verbundenen Wissenstransfer zwischen den Generationen ebenfalls bewahren können.
Die Möglichkeiten sind nahezu erschöpft! Geht die Entwicklung so weiter, wird man künftig diese Fähigkeiten an Technologie und Entwicklung in Deutschland nicht mehr vorfinden. Anstatt dessen noch höhere Arbeitslosenzahlen sowie eine Verlagerung und Konzentration dieser Technologiefähigkeiten ins Ausland wird die Folge sein.

Was nun unumgänglich ist, um die Kompetenzen aufrecht zu erhalten und weiterhin als zuverlässiger Partner der Bundeswehr zur Verfügung stehen zu können, sind weitere Aufträge des Bundes. Solche Aufträge sind natürlich auch eine nationale Referenz für den Export. In politischer Hinsicht müssen mittel- und langfristige Rahmenbedingungen geschaffen werden, um im Export noch erfolgreicher werden zu können. Dies setzt voraus, dass wir künftig auch in europäischen Programmen angemessen beteiligt werden. Ebenso brauchen wir vergleichbare Wettbewerbsbedingungen im europäischen Umfeld für Kooperationen und Direktexporte.

Natürlich müssen humanere, ethische und politische Gesichtspunkte dabei berücksichtigt werden. In der Genehmigungspraxis der Regierung sollten dabei aber zeitnahe Entscheidungen gefällt werden.

Nur so können faire und zuverlässige Geschäfte gegenüber dem Kunden abgewickelt werden. Dabei muss man sehen, dass neben dem Kunden auch Lieferanten, also auch andere Firmen, eingebunden sind und ebenso von Entscheidungen betroffen sind, wie wir als Hersteller.

Insgesamt gesehen sollte umgehend eine Bestandsaufnahme in der wehrtechnischen Industrie stattfinden, damit diese Fähigkeiten auch entsprechend in europäische Projekte eingebracht werden können.

Versprechen allein helfen uns nicht mehr weiter. Wir brauchen die Unterstützung der Politik – übrigens aller Parteien – um diesen Herausforderungen auch in Zukunft im Standort Deutschland gerecht werden zu können.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!

Schramberg, den 08.03.2004

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